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Mobile Maschinen 6/2017

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AGRITECHNICA I SPECIAL

AGRITECHNICA I SPECIAL Halle 17/Stand D53b Neues aus der Zukunfts-Kabinenschmiede CAB Concept Cluster präsentiert weiteres Gemeinschaftsprojekt Zusammen mit dem CAB Concept Cluster präsentierte Fritzmeier auf der bauma 2016 in Form der Genius CAB ein zukunftsweisendes Kabinenkonzept für die Baubranche. Das Ziel lautete: Mehr Sicherheit, Ergonomie und Leistung für den Maschinenführer. Nun setzte sich das Cluster erneut zusammen, um in einem weiteren Gemeinschaftsprojekt smarte Ideen für die Bedürfnisse der Landtechnikbranche zu vereinen. Die sereienreife Smart CAB feiert auf der Agritechnica 2017 ihre Premiere. Seine besten Zeiten hat er definitiv hinter sich und dennoch ist er für unseren Familienbetrieb ein gern genutzer Helfer: Der IHC 533 aus dem Jahr 1976 verfügt über 2 536 cm³ Hubraum, drei Zylinder und 32,9 kW/45 PS Leistung. Besonderheit des roten Traktors ist aber vielmehr sein Verdeck von Fritzmeier. Dieses sorgte bereits in den 1970iger Jahren für Schutz vor Sonneneinstrahlung oder Regen und bot dem Fahrer deutlich mehr Komfort beim Bestellen der Felder. Was für den Landwirt von heute selbstverständlich ist, war früher kein Standard. Anfang der 1950iger Jahre verfügten Landmaschinen lediglich über Planen- Verdecke als Wetterschutz. Zwanzig Jahr später folgten feste Verdecke mit verglasten Kabinen und integrierten Überrollbügeln. Um den Fahrer vor schweren Unfällen (mit Todesfolge) zu schützen, sind diese seit den 1970iger Jahren sogar Pflicht. Die nächste Sicherheitsstufe wurde daraufhin im Jahr 1987 mit den ROPS-Kabinen (Roll Over Protection System) erreicht. Als Vorreiter in der Überrollbügel-, Verdeck- und Fahrerkabinenproduktion hat sich das bayerische Unternehmen Fritzmeier CABS einen Namen gemacht und in tausenden anwenderspezifischen Projekten seit über 90 Jahren seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Der etablierte Kabinenhersteller für Land-, Baumaschinen und Flurförderfahrzeuge, fertigt innerhalb der Gruppe zudem Metall-Systemteile, komplette Kunststoff-Baugruppen, entwickelt Vorrichtungen, Werkzeuge und Sondermaschinen nach Maß und bietet Systeme für das Dünge-Management an. Um mir ein Bild Autor: Svenja Stenner, Redakteurin Mobile Maschinen über den modernen Familienbetrieb zu machen, reiste ich selbst nach Oberbayern. Vom Konzept bis zur Serienfertigung Gut eine halbe Stunde von München entfernt liegt Großhelfendorf, mit Hauptsitz der Fritzmeier Group. „Hier am Standort befinden wir uns an einem der fünf Kabinen-Fertigungsstandorte von Fritzmeier. Auf insgesamt 240 000 m² Fläche fertigen wir Kabinen und Verkleidungsteile für Baumaschinen und Flurförderzeuge. Die Bereiche Design und Konstruktion sind ebenfalls direkt an das Werk angegliedert“, erklärt mir Alexandra Herrmann, Director Marketing & Communications, während meines Besuchs. Ich frage mich, ob Großhelfendorf auch die Geburtsstätte unseres IHC-Verdecks ist. Eine Antwort bekomme ich von Kathrin Schnitzlbaumer, Product and Marketing Ma- 01 Ob bei Regen oder Sonnenschein, das Verdeck des IHC 533 schützt den Fahrer auch nach über vierzig Jahren zuverlässig 48 Mobile Maschinen 6/2017

SPECIAL I AGRITECHNICA Mit der Smart CAB setzt Fritzmeier als Pionier für Fahrzeugkabinenbau zusammen mit dem CAB Concept Cluster neue Maßstäbe nagerin: „Unser Stammwerk wurde 1960 hier in Großhelfendorf errichtet. Heute produziert die Kabinengruppe europaweit rund 25 000 Kabinen und 20 000 Fahrerschutzdächer im Jahr.“ Ich bin neugierig und möchte mehr über die Entstehung einer Fahrerkabine erfahren. Um die einzelnen Prozessschritte zu verstehen, nehmen mich die beiden mit auf eine Reise durch die Produktionshalle. Alles beginnt zunächst mit dem Design. „Was wir angehen, machen wir gründlich. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder stellt uns der Kunden selbst seine 3D-Kosntruktionsdaten zur Verfügung oder wir entwickeln auf Wunsch das komplette Design für Fahrerkabinen oder für Systembauteile wie Windleitbleche oder Innenverkleidungen. Dabei kommen modernste CAD- und CAM-Tools zum Einsatz. Auch orientieren wir uns im Design ganz an der Philosophie und Formensprache unseres Auftraggebers“, erörtert mir Herrmann. Ich möchte wissen, ob Fritzmeier den kompletten Prozess vom Design bis zur Endausbaustufe vorab simulieren kann. „Die Entwicklungskosten in der Fahrzeugindustrie sind hoch. Noch höher werden sie, wenn Fehler in der laufenden Serienfertigung korrigiert werden müssen. Daher sorgen wir frühzeitig vor. Noch bevor es in die Kabinenprodukton geht, können anhand von 3D Simulationen (FEA) potentizielle Sturkturund Perfomanceprobleme getestet werden. Auch führen wir auf Wunsch umfangreiche Dichtigkeits- und Belastungstests vor der Serienfertigung durch“, erklärt man mir. Nach der Simulationsphase werden zunächst Teststrukturen und komplette Prototypen gefertigt. Dabei werden Prüfungen im Sicherheitsbereich (ROPS/FOPS) bei der DLG e. V. in Groß-Umstadt durchgeführt. Werden alle Tests für makellos befunden, kann die eigentliche Produktion starten. Schnitzlbaumer und Herrmann führen mich durch die Gänge der Produktionshalle und schildern mir. „Alle Arbeitsabläufe der rund 290 Mitarbeiter sind optimal aufeinander abgestimmt. Im Vorrichtungsbau bauen sie Eigen- oder Fremdkonstruktionen exakt und zuverlässig auf und bringen das Gefüge entsprechend in Form. So entstehen die für die Serie nötigen Schweißlehren, -stationen und Vorrichtungen, bis hin zu kompletten Fertigungsstraßen. Genauig- 02 25 000 Kabinen, 20 000 Fahrerschutzdächer und 30 000 Kabinenverkleidungsteile produziert Fritzmeier jährlich keit und Maßhaltigkeit aller angefertigten Produkte werden in der Qualitätssicherung gründlich überprüft und dokumentiert. Vor der Montage der Kabine, wird diese zunächst noch in der gewünschten Farbigkeit lackiert. Zu guter Letzt folgen der komplette Innenausbau und der finale Qualitätscheck.“ Fasziniert davon, wie sich die Verdeckherstellung im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt hat, zieht auf dem Rückweg ins Hauptgebäude eine stylische, hochmoderne Kabine meine Blicke auf sich und gewinnt meine volle Aufmerksamkeit: die Genius CAB. Meilenstein in der Kabinenfertigung Unzählige neugierige Redakteure scharten sich vergangenes Jahr während der Pressekonferenz zur Premiere der Genius CAB auf dem bauma-Messestand von Fritzmeier CABS. Alle mit dem Ziel einen Blick auf die „Kabine der Zukunft“ zu erhaschen. Auch ich wollte mir die Chance auf keinen Fall entgehen lassen, endlich die Konzept-Kabine live zu erleben. Seit Wochen ging die Meldung des zukunftsweisenden Projekts des 2014 gegründeten CAB Concept Clusters (CCC) durch die Branche. Dazu zählen verschiedene Partner wie Global Player, innovationsgetriebene OEM-Zulieferer, wissenschaftliche Einrichtungen, Industriedesigner, Branchen-Verbände sowie Maschinenverleiher und -bediener. Ihr gemeinsames Ziel: OEMs aus der Baumaschinenindustrie und der Landtechnik sowie Herstellern von Flurförderzeugen das große Potenzial effizienter Systemintegration zu verdeutlichen. Als Initiatoren des Projekts galten Fritz Schadeck, Vice President Vertrieb und Marketing des Kabinenbauers Fritzmeier, und Dr. Thomas Hiebaum, Hella Vice President für das Segment Off-Highway. Endlich verschaffte auch ich mir freie Sicht auf die Genius CAB. Geradlinig, kantig und dennoch modern, die optische Gestaltung der Designagentur Lumod erinnerte mich an einen geschliffenen Diamanten. Nach kurzem Warten durfte ich sogar Platz in der CAB nehmen. Schnell stellte ich fest, der Innenraum und das Interieur hatte mit den mir vertrauten Fahrerkabinen des familieneignen Fuhrparks nur noch im Ursprung Gemeinsamkeiten. Die Lenksäule wurde verbannt, was mir uneingeschränkte Sicht auf die potenziellen Anbaugeräte gewährt. Eine Steuerung über ein Miniwheel in der linken Armlehne bildet Agritechnica 2017 Halle 16 / Stand C53 .ORG Umschalt-Ventilatoren zur Kühlerreinigung mehr Leistung spart 30% der Lüfter-Antriebsleistung (Uni Karlsruhe 2013) weniger Verbrauch CASE STX 435 www.youtube.com/cleanfixgf Hägele.indd 1 05.10.2017 10:55:31 Mobile Maschinen 6/2017 49

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