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Mobile Maschinen 6/2015

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AGRITECHNICA I SPECIAL

AGRITECHNICA I SPECIAL Toter Winkel ade Kamera-Monitorsystem ermöglicht 360°-Vogelperspektiven-Ansicht Iris Gehard Fahrzeugform und Größe von Landmaschinen können dem Maschinenführer beim Rangieren das Leben schwer machen. Nicht nur einen toten Winkel muss der Fahrer berücksichtigen, sondern gleich mehrere. Brigade Elektronik schafft mit einer intelligenten Kamera-Monitor-Kombination Abhilfe. Sie ermöglicht auf einen Blick eine Rundumsicht des Fahrzeugs. Iris Gehard, freie Redakteurin in München mit dem Schwerpunkt Agrartechnik Die Landwirtschaft hat im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftszweigen in Europa die höchste Quote an Unfalltoten. Ein Viertel aller tödlichen Unfälle werden durch sich bewegende Fahrzeuge verursacht – unter anderem deshalb, weil das Sichtfeld des Fahrers durch die Größe und Bauweise der Maschinen besonders beeinträchtigt wird: Beispielsweise Fahrerposition, Karosserie, Trennwände und der Mangel an Heckfenstern führen zu besonders vielen toten Winkeln. „Die lassen sich durch Spiegel und Einzelkameras zwar vermeiden, aber selbst mit den zusätzlichen Vorrichtungen kann der Fahrer nicht immer alle Hindernisse auf dem Fahrzeugweg sehen“ erklärt Rudolf Rutenbeck, Geschäftsführer der Brigade Elektronik GmbH. „Schließlich kann er nicht gleichzeitig auf mehrere Spiegel oder Bildschirme schauen.“ Um das Risiko von Personen-, Sach- und Maschinenschäden sowie Ernteausfällen zukünftig minimieren zu können, hat der Sicherheitsexperte Brigade Elektronik GmbH ein intelligentes Kamera-Monitor-System entwickelt, das dem Fahrer mit einem einzigen Bild in Echtzeit eine Rundumansicht des Fahrzeugs vermittelt. Mit dem Backeye 360 Select wird die Manövrierbarkeit bei niedrigen Geschwindigkeiten deutlich verbessert. Bei dem System erfassen vier Ultraweitwinkelkameras die gesamte Umgebung einschließlich aller toten Winkel. Die erzeugten Digitalbilder werden anschließend kombiniert sowie Fischaugeneffekte minimiert. Da das System individuell kalibierbar ist, kann die Kombination der Kamerabilder individuell an die Anforderungen des Fahrers angepasst werden. Alles auf einen Blick Die vier Ultraweitwinkelkameras haben jeweils einen Blickwinkel von etwa 187° – sie erfassen jeweils eine gesamte Fahrzeugseite inklusive aller toten Winkel. Zu Demonstrationsvideo In diesem Video wird das Backeye 360 Select an einem LKW demonstriert. bit.ly/BrigadeDemo 36 Mobile Maschinen 6/2015

SPECIAL I AGRITECHNICA Halle 15 Stand B02 diesem Zweck werden die kalibrierten Kameras vorne, seitlich und hinten an der Oberseite des Fahrzeugs beziehungsweise der Baumaschine montiert. Die vier erzeugten Live-Bilder – 30 pro Sekunde und Kamera – werden gleichzeitig an eine elektronische Steuereinheit (ECU) gesendet, die sie sofort verarbeitet und per Video- Stitching miteinander kombiniert. Ebenso entfernt sie die Verzerrung durch die Fischaugenobjektive der Kameras, so dass auf dem Monitor ein klares und gleichmäßiges Echtzeit-Bild aus der Vogelperspektive erscheint. Dadurch kann der Fahrer mit einem einzigen Blick auf den Monitor das komplette Umfeld mit allen potenziellen Gefahrenbereichen überblicken. „Das erspart ihm die Zeit zur Verarbeitung der schnell aufeinanderfolgenden Informationen von mehreren Spiegeln oder Monitoren und erleichtert das richtige Einschätzen und Reagieren in schwierigen Situationen“, so Rutenbeck. Das System erlaubt zudem Split-Screen- Ansichten: Auf der linken Seite des Monitors können zusätzlich die Bilder der vier Kameras in Einzelansicht angezeigt werden, so dass parallel zum 360°-Bild auch ein Blick in die Flucht möglich ist. Die Installation und Kalibrierung von B ackeye 360 Select kann von einem geschulten Techniker vor Ort durchgeführt werden, so dass das System innerhalb von nur einem Tag vollständig betriebsbereit ist. Eine Kalibrierung ist erst nach einer ordnungsgemäßen Installation möglich, was präzise Ergebnisse und somit ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet. Nach der individuell gewünschten Kalibrierung kann die Konfiguration gespeichert und zur Installation in weiteren identischen Fahrzeugen der Flotte genutzt werden. „Durch Verschmelzung können eventuelle Überlappungen zwischen zwei Kamerabildern ausgeglichen werden. Die Breite des Verschmelzungsbereichs lässt sich von Null – also einer Bildverschmelzung mit harten Rändern – bis hin zum gesamten Überlappungsbereich programmieren“, erläutert Rutenbeck. Ebenso kann die Linie des Verschmelzungsbereichs an jeder beliebige Stelle des Überlappungsbereichs platziert werden, um die Sicht für den Fahrer möglichst wenig zu beeinträchtigen. Individuell anpassbar Backeye 360 Select funktioniert auf praktisch jeder Art von Solofahrzeug oder Baumaschine unabhängig von ihrer Größe und eignet sich daher sowohl für Straßen- als auch für Geländebetrieb. „Der Abstand des erfassten Bereichs kann an die jeweiligen Betriebsumstände angepasst werden“, erklärt Rutenbeck. „Bei einem Müllwagen müssen beispielsweise in der Regel nur die nächsten 3 m erfasst werden, während für einen großen Kipplader in einem Steinbruch ein Radius von 40 m erforderlich sein kann.“ Da abhängig von der Fahrzeugform nicht immer jede Kamera genau mittig montiert werden kann, kompensiert die Software diesen Effekt: Der Erfassungsbereich von 187° ermöglicht unabhängig von der Kameraposition eine Sicht auf die 01 Durch die Split-Screen-Ansicht kann parallel zum 360°-Bild auch ein Blick in die Flucht angezeigt werden gesamte Fahrzeugseite. Dadurch kann das Bild auf dem Monitor des Fahrers so kalibriert werden, als ob die Kamera mittig montiert wäre. Bei großen Fahrzeugen und Perspektiven mit breiten Durchmessern reduziert die Software zudem die „Überdehnung“ am äußersten Rand, damit auch Personen und Gegenstände in größerer Entfernung erkennbar sind. Werden Kameras unter der Karosserie eingesetzt, kann optional die Fahrzeugkontur einschließlich der überhängenden Positionen auf dem Bildschirm angezeigt werden. Symbol und Farbe für das Fahrzeug auf dem Bildschirm sind dabei immer individuell wählbar, damit der Fahrer die Umrisse als die seines Fahrzeugs erkennt. Darüber hinaus verfügt das System über bis zu vier eingebaute programmierbare Auslöser, die bei ihrer Aktivierung eine Konzentration der Bildschirmanzeige auf den jeweiligen Gefahrenbereich beim Manövrieren ermöglichen. „Beim Einlegen des Rückwärtsgangs wird auf dem Monitor beispielsweise das Bild der Heckkamera vergrößert angezeigt, beim Blinken erscheint dagegen der Seitenbereich größer“, erklärt der Experte. Für die Rückfahrkamera können zusätzlich Distanzmarkierungen programmiert werden. Außerdem kann das System so eingestellt werden, dass es sich oberhalb einer bestimmten Geschwindigkeit abschaltet oder andere Zusatzgeräte aktiviert. Zusätzlich kann das Backeye 360 Select mit den ebenfalls neu entwickelten Backsense Radar-Systemen ergänzt werden, die stehende und sich bewegende Objekte im Umfeld des Fahrzeugs erkennen und den Fahrer mit visuellen und akustischen Sig nalen vor Gefahren warnen. Bild: Aufmacher Tim Reckmann / pixelio.de, Brigade Elektronik GmbH www.brigadegmbh.de 02 Die vier Ultraweitwinkelkameras erfassen jeweils eine gesamte Fahrzeugseite inklusive aller toten Winkel Mobile Maschinen 6/2015 37