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Mobile Maschinen 5/2017

Mobile Maschinen 5/2017

AGRITECHNICA I TITEL

AGRITECHNICA I TITEL Robuster, leichter, wartungsärmer Vorteile von Kunststoff-Gleitlagern in der Landwirtschaft Komponenten, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen robust, korrosionsbeständig und zuverlässig sein. Also sollte man auf möglichst „harte“ Materialien setzen. Logisch, oder? Dass dem nicht so ist, davon konnten wir uns bei den Kunststoffexperten von igus überzeugen. Fällt ein Lager in der kritischen Periode der Erntezeit aus, kann das für den Landwirt verheerende Folgen nach sich ziehen. Sehr kleine Zeitfenster entscheiden über den Erfolg eines ganzen Jahres. Insofern gilt es, Maschinenstillstände unter der Ernte unbedingt zu vermeiden. Ein typischer „Verschleißartikel“ in mechanischen Komponenten ist das Lager. Über kurz oder lang müssen Lager gewartet oder getauscht werden. Damit diese nicht zur Achillesverse der landwirtschaftlichen Maschinen werden, gilt es, möglichst robuste Lösungen zu finden. Dabei heißt robust nicht zwangsläufig metallisch. Kunststoffgleitlager können in nahezu allen Anwendungen metal lische Lager ersetzen. Die Mischung macht’s Es kommt dabei auf die Zusammensetzung des Kunststoff-Lagers an. In bestimmten Anwendungen sind Kunststofflösungen bereits die erste Wahl, weiß Uwe Sund, Leiter Branchenmanagement Agrar bei igus: „Wir haben über 30 Jahre Erfahrung in Kunststoff. In vielen landwirtschaftlichen Anwendungen haben sich igus-Gleitlager inzwischen etabliert. In Säscharen in Mittel europa beispielsweise sind unsere iglidur-Produkte in einem Großteil aller Maschinen vertreten.” Aber auch in Baumaschinen bewähren sich iglidur-Gleitlager seit geraumer Zeit. So sind igus-Produkte seit mehr als zehn Jahren fester Bestandteil der Radlader des Unternehmens F.X.S. Sauerburger. Die iglidur-Gleitlager sitzen in der Hubschwinge des Radladers und verkraften die an dieser Stelle wirkende Flächenpressung von ca. 21 MPa mühelos. Neben Druckbelastungen können Lager durch Chemikalien unter Stress geraten. Für jede Anwendung mit einer definierten Belastung durch bestimmte Medien – beispielsweise einer Feldspritze – kann igus Lager zur Verfügung stellen, die hiervon nicht oder nur geringfügig beeinflusst werden. “Wir haben in unserem Katalog inzwischen über 50 Werkstoffe. Wenn es sich um eine medienkritische Anwendung handelt, können wir für den jeweiligen Einsatzfall eine beständige Lösung anbieten. Hierbei kommt es auf die genaue Zusammen setzung der verschiedenen Basis-Polymere und die Zuhilfenahme von Fasern, Füllstoffen sowie Festschmierstoffen an. Im Zweifelsfall belasten die aggressiven Medien die restlichen Maschinenteile aus Metall weitaus mehr als unser darauf abgestimmtes Lager”, fasst Sund zusammen. Die Lager sind dank des Einsatzes der Festschmierstoffe schmierfrei. Diese Eigenschaft steht jedoch im steten Zusammenspiel mit der jeweiligen Welle. Korrodiert die Welle ungemein, dann hat dies natürlich auch negative Folgen für das ein­ Halle 16/Stand E17

TITEL I AGRITECHNICA 01 Uwe Sund und „sein“ Frontlader-Prüfstand 02 Ein weiterer Schwerlast-Prüfstand von igus. Hier werden Lager Flächenpressungen von bis zu 250 MPa ausgesetzt gesetzte Lager. Ein Beispiel ist der Winterdienst, wo die Komponenten Salz und Feuchtigkeit ausgesetzt sind. “In einem solchen Fall würde ich eine alternative Welle empfehlen, die weniger anfällig ist. Oder aber man gibt bei der Wartung vor be ziehungsweise nach der Saison einmal Fett hinzu. Unser Lager braucht es zwar nicht, der Welle kann es jedoch helfen”, so der Branchenmanager. Probieren geht über Studieren Doch woher weiß igus, welche Welle empfehlenswert ist? Und welcher Werkstoff mit welcher Chemikalie zu Rande kommt? Die Antwort lautet: Dauertests unter Realbedingungen. Prüfstände machen einen Großteil der Fläche des igus-Werks in Köln Porz-Lind aus. Auf 2750 m² testet igus sämtliche seiner Kunststoffprodukte. Das Spektrum reicht von Bewegungen in alle Richtungen bei e-Ketten und chainflex- Leitungen bis hin zu Linear-, Schwenk- und Rotationsbewegungen bei den verschiedenen Lagerarten. Speziell für hohe Lasten bei Anwendungen in der Agrar- und der Baumaschinenbranche hat igus einen neuen Frontlader- Prüfstand eingerichtet. Unter freiem Himmel werden verschiedene Gleitlager- Wellen-Kombinationen für diese Einsatzgebiete praxisnah getestet. Auch ein direkter Vergleich beispielsweise zwischen Kunststoff- und Metallbuchsen ist möglich. Im aktuellen Aufbau liegen die Flächenpressungen je nach Lagerstelle zwischen 22 und 29,5 MPa. 29,5 MPa entsprechen etwa einer Last von 1,2 t auf einem Lager mit dem Durchmesser und einer Länge von je 20 mm. Um die optimale Lager-Wellen- Kombination oder auch den bestgeeigneten iglidur-Tribopolymer-Werkstoff zu finden, kann die zu hebende Last von derzeit 250 auf bis zu 500 kg erhöht werden. Vier Zyklen pro Minute werden gefahren, die daraus resultierende Geschwindigkeit hängt vom Schwenkwinkel der jeweiligen Lagerstelle ab. Die Testdauer beträgt rund zwei Wochen. Tägliche Sichtkontrollen stellen dabei sicher, dass der Frontlader bei einem Ausfall einer Lagerstelle nicht beschädigt wird. Wenn die optimale Kombination aus Wellenmaterial und Kunststoff-Lager gefunden wurde, sind die Vorteile hinsichtlich des Verschleißes signifikant. Ist ein Metalllager beschädigt, frisst es sich zwangsläufig in das Metall der Welle. Ab diesem Zeitpunkt verläuft die Verschleißkurve exponentiell, im schlimmsten Fall ist ein Maschinenausfall die Folge. Kunststoff-Lager punkten neben ihrer geringeren Abnutzung über die Zeit – immer die optimale Welle- Lager-Kombination vorausgesetzt – mit einem linearen Verschleiß. Das Kunststoff- Lager schädigt die Welle selbst bei starker Abnutzung nicht. Wachstumsbranche Agrar In Deutschland und Mittel-Europa ist igus ein bekannter Player bei den Herstellern landwirtschaftlicher Maschinen. Dennoch gibt es noch Wachstumspotenziale. Die Livestream des Frontlader-Prüfstands Wer sich den Prüfstand in Köln bei Wind und Wetter ansehen und wissen möchte, welche Lager-Welle-Paarung aktuell getestet wird, kann dies unter folgendem Link tun: www.igus.de/Frontladertest wirklich großen Möglichkeiten sieht Uwe Sund allerdings in Übersee und Fernost: “Wenn wir in Deutschland als igus bei einem Maschinenhersteller vorstellig werden, sind unsere Produkte und Vorteile meist bekannt und etabliert. In den USA sieht das ganz anders aus. Dort gibt es Hersteller, die igus noch nicht kennen. Für unsere Kollegen in Übersee ist die Agrarbranche der größte Markt. Auch in China kann man beobachten, dass sich einiges bei den Landmaschinen-Herstellern bewegt. Früher vielleicht noch belächelt, werden dort inzwischen hochwertige Maschinen und Fahrzeuge produziert. Dort sehen wir ebenfalls noch großes Absatzpotenzial für unsere Produkte.” Neben den Gleitlagern bietet igus seinen Kunden in der Landwirtschaft Energieketten, Leitungen und Lineartechnik. Diese werden für das Wachstum von igus in der Agrarbranche zunehmend wichtige, prophezeit der Agrar-Experte: “Der Trend in der Landwirtschaft geht zur Automatisierung von Prozessen sowie dem autonomen Arbeiten und Fahren auf dem Feld. Hierzu sind zusätzliche Kamera- und Sensorsysteme nötig. Diese werden mit Linearsystemen befestigt und der Anschluss an Steuerungen geschieht mit Leitungen, die wiederum mit Energieketten geführt werden müssen.” Dazu kommen die Vorteile der Gleitlager – wartungsfrei bzw. -arm, korrosionsbeständig, leicht – die beim Trend hin zur Farmrobotik und somit zu kleineren Maschinen von entscheidender Bedeutung sein können. Mit diesem Portfolio ist igus bestens für die Anforderungen der Gegenwart und vor allem der Zukunft gerüstet. www.igus.de Peter Becker, Redaktion Mobile Maschinen Mobile Maschinen 5/2017 13

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