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Mobile Maschinen 4/2016

Mobile Maschinen 4/2016

LANDTECHNIK I SPECIAL 02

LANDTECHNIK I SPECIAL 02 Die Forschungsplattform BoniRob kann mit verschiedenen Modulen, hier z. B. für die Unkrautregulierung, genutzt werden 03 Der selbstfahrende Roboter von Wall-YE beschneidet automatisch Pflanzen verschiedene Maßnahmen hinsichtlich der Betriebserlaubnis-, Zulassungs- oder Prüfpflicht, der Versicherung, Kennzeichnung und Kfz-Steuer zu berücksichtigen. Zusätzliche Anforderungen an autonome Systeme Allgemeine Richtlinien wie die Maschinenrichtlinie oder die Straßenverkehrsordnung gelten für klassische Landmaschinen und Landwirtschaftsroboter gleichermaßen. Spezielle Sicherheitsnormen für Systeme mit autonomen Funktionen entstehen dagegen gerade erst. So wurde mit der Norm ISO/DIS 18497 in den vergangenen Jahren ein erster Standard für „hochautomatisierte Maschinen“ in der Agrarwirtschaft ent wickelt. Die Entwurfsfassung definiert u. a. Anforderungen an Beginn und Ende des autonomen Betriebs oder die Überwachung des Arbeitsraums mit Sensoren. Verbindlich wird auch ein Test zur Hinderniserkennung mittels Prüfkörper. Als weitere Orientierungshilfe für Landwirtschaftsroboter können bestehende Sicherheitsstandards für Industrieroboter (ISO 102018-1/2) und persönliche Assistenzroboter (ISO 13482) herangezogen werden. Im öffentlichen Straßenverkehr schließt das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968, das die permanente Anwesenheit eines Fahrers verlangt, die Teilnahme eines autonom fahrenden Roboters am Straßenverkehr faktisch aus. Einen Wechsel von einem Feld auf einen Acker auf der anderen Straßenseite dürfen Landwirtschaftsroboter daher nach heutigem Stand nur unter Aufsicht eines Menschen durchführen. Mit einer Verbreitung autonom fahrender PKW könnte sich dies jedoch in Zukunft ändern. Mögliche Sicherheitsrisiken von Landwirtschaftsrobotern Landwirtschaftsroboter agieren in unstrukturierten Umgebungen, die sich zusätzlich abhängig von der Witterung oder der Jahreszeit verändern. Wie viele Serviceroboter im gewerblichen Umfeld kommen sie auch mit Menschen in Kontakt. Potenzielle Risiken Seminar: Robotik in der Landwirtschaft Die Robotik ist eine Schlüsseltechnologie zur effizienten Nutzung knapper Ressourcen und Optimierung hinsichtlich der Produktivität und Qualität in der Landwirtschaft. Am 29. September 2016 informiert das Seminar des Frauenhofer IPA über den Stand der Technik sowie aktuelle und zukünftige Anwendungen. Weitere Informationen finden Sie unter bit.ly/Robotik_Landwirtschaft für Gefährdungen sind deshalb Kollisionen mit Personen. Der Schutz von Tieren ist zwar in den Normen nicht gefordert, jedoch ebenso notwendig. Hinzu kommt, dass Sicherheitseinrichtungen wie optische Sensoren des Öfteren z.B. wegen Verschmutzungen nicht oder zu unzuverlässig reagieren. Deshalb muss eine gut abgestimmte Kombination geeigneter Sensoren eingesetzt werden. Ein weiteres Risiko besteht im Verlust der Stabilität auf unwegsamem Gelände. Navigiert ein Landwirtschaftsroboter autonom, kann es zum ungeplanten Verlassen des vorgesehenen Arbeitsbereiches kommen. Dies kann Personen im Umfeld oder den Straßenverkehr gefährden. Nicht zuletzt ist ein unerwartetes Anlaufen des Roboters zu vermeiden. Bilder: Aufmacher Agrobot, 01 Yanmar Europe, 02 InMach/Foto: Manuel Wopfner, 03 & 04 C.Y.E. Millot, Copyright: Wall-YE www.ipa.fraunhofer.de 04 Die Plattform MYCE ist ein Multifunktionsroboter für verschiedene Aufgaben in der Landwirtschaft

RUBRIZIERUNGSEBEBE 2 I LANDTECHNIK RUBRIZIERUNGSEBENE I SPECIAL Mängel bei Datensicherheit blockieren Landwirtschaft 4.0 Forscher der Universität Hohenheim fordert Lösung Dorothea Elsner, Florian Klebs Landwirtschaft 4.0 birgt große Vorteile für den Landwirt und die Umwelt – doch momentan behindern ungelöste Fragen zum Datenschutz eine umfassendere Nutzung. Laut Prof. Dr. Griepentrog, von der Universität Hohenheim, fehlen zu deren Sicherheit bislang sowohl technische Lösungen als auch eventuell neue rechtliche Grundlagen. „Landwirte werden IT-Fachleute“ Prof. Dr. Hans W. Griepentrog vom Fachgebiet Verfahrenstechnik in der Pflanzenproduktion an der Universität Hohenheim biet Verfahrenstechnik in der Pflanzenproduktion an der Universität Hohenheim. Der Landwirt muss die Datenhoheit behalten Dazu gibt der Landwirt Daten an einen Dienstleister, der auf dieser Grundlage Empfehlungen erarbeitet. Laut des Experten liegt jedoch hierbei das Problem: „Der Landwirt muss die Datenhoheit behalten und sicher sein, dass seine Daten nicht weitergegeben werden.“ Zur Sicherung dieser gibt es mittlerweile gute Methoden der Verschlüsselung. Es muss sichergestellt sein, dass auf die Daten nur der Adressat, wie der Dienstleister, Zugriff hat. „Personenbezogene Daten sind durch das Datenschutzgesetz vergleichsweise gut geschützt. Doch hier handelt es sich um Betriebsdaten. Sie fallen unter das Betriebsgeheimnis, das man nicht preisgeben sollte, wenn man am Markt bestehen will. Eine klare rechtliche Grundlage fehlt im Augenblick. Doch sie ist zwingend notwendig, damit ein Landwirt Vertrauen zu einem Dienstleister aufbauen kann“, erläutert Prof. Dr. Griepentrog. Wenn das Problem Datenschutz und ­sicherheit gelöst ist, bietet Smart Farming für den Landwirt und die Umwelt große Vorteile. Denn wenn der gesamte Betrieb analysiert wird, kann das die Nachhaltigkeit wesentlich verbessern. „Die Produktionsverfahren sind transparenter und können besser gesteuert werden. Das schont Ressourcen und sorgt dafür, dass Umweltschutzauflagen eingehalten werden“, so Prof. Dr. Griepentrog. Die Rolle des Landwirts verändert sich „Die Rolle des Landwirts ändert sich zwar dadurch, doch er fällt keinesfalls weg“, weiß Prof. Dr. Griepentrog. Die Produktionsprozesse in der Landwirtschaft sind, anders Selbstlenkende Traktoren, automatische Ertragskartierung beim Mähdrescher - viele Techniken der Präzisionslandwirtschaft, des Precision Farming, haben in den Alltag vieler Landwirte Einzug gehalten. „Wir können dank GPS und ausgereifter Anwendungstechniken heute sehr präzise arbeiten. In den letzten Jahren ist jedoch ein weiterer Schritt hinzugekommen: Das Smart Farming. Über Boden und Pflanzen sowie die Produktionsbedingungen sind viele Informationen vorhanden. Landwirtschaft 4.0 verarbeitet diese großen Datenmengen, verknüpft sie, automatisiert Abläufe und unterstützt so den Landwirt beim Entscheidungsprozess“, erklärt Prof. Dr. Hans W. Griepentrog vom Fachgeals in der Industrie, sehr komplex, die Produktionsbedingungen ändern sich ständig. „Deshalb wird der Landwirt als Entscheider auch künftig notwendig sein.“ Die Informationsmenge lässt sich nicht mehr manuell bewältigen. Daher analysiert Landwirtschaft 4.0 die Daten und schlägt z. B. mehrere Strategien zum ressourceneffizienten Einsatz von Düngemitteln vor. Der Landwirt ist dann gefragt, sich für eine zu entscheiden. Künftig brauchen Landwirte daher mehr IT-Kenntnisse als heute, werden aber durch die automatisierte Technik von vielen Routinearbeiten entlastet. Zukunftsvision: Ökoland bau plus Robotik „Auch wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: Smart Farming kommt auch dem Ökolandbau zugute. Elektronische Datenerfassung und Ackerschlagkartei vereinfachen hier ebenfalls die Dokumentation und das Management des Betriebes. Und die Vorteile beim Ausbringen des Saatguts gelten für den Ökolandbau ebenso wie für die konventionelle Landwirtschaft“, betont Prof. Dr. Griepentrog. „Im Gegenteil, mir schwebt eine Kombination aus Ökolandbau und Robotik als Standard vor. Die Sensorik erfasst und verarbeitet alle Informationen über Boden und Pflanzen, und die Robotik erledigt dann das Richtige. Umweltbelastende Pestizide und Düngemittel würden dadurch schlicht überflüssig. Und das Ergebnis: Hohe Erträge und Qualität bei hoher Nachhaltigkeit und Umweltschonung“, erörtert er seine Zukunftsvision weiter. www.uni-hohenheim.de Dr. Dorothea Elsner und Florian Klebs beide Presse, Universität Hohenheim Mobile Maschinen 4/2016 39

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