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Mobile Maschinen 3/2016

Mobile Maschinen 3/2016

BAUMA I NACHLESE

BAUMA I NACHLESE Alexander Krieger vor dem Gokart-Umbau Die kleinste Arbeitsmaschine der Welt Eine Vor-Ort-Reportage Peter Becker Kinder bleiben stehen und bekommen große Augen, Eltern zücken ihre Fotoapparate und lichten die Kleinsten als Maschinenführer ab. Ein normaler Vorgang auf der bauma. Doch bei diesem Exponat handelt es sich nicht um einen neuen Kran oder Radlader, sondern um die wahrscheinlich kleinste mobile Arbeitsmaschine der Welt. Und diese demonstriert, wie man Baumaschinen clever automatisieren kann. Schon aus der Ferne fällt mir die Menschentraube auf dem Gang vor dem Messestand auf. Erstaunlich viele Kinder tummeln sich vor einem vergleichsweise kleinen Stand. Aber auch Fachbesucher in Business-Kleidung bleiben stehen und schauen genauer hin. Als ich mich dem Geschehen nähere, wird mir die Ursache klar. Es ist ein außergewöhnlicher Anblick, der sich mir auf dem Messestand der Anedo Ltd. aus Eydelstedt bei Osnabrück bietet: Auf einem Podest steht ein Gokart. Und zwar eines, wie ich es zumindest noch nie zuvor gesehen habe. Am Stand treffe ich Iris Möller, Assistentin der Geschäftsführung. Sie bestätigt: „Das Gokart ist ein Publikumsmagnet. Auch Erwachsene schauen zunächst verdutzt, bevor Sie den Sinn erkennen und sich ein Lächeln auf Ihre Gesichter stielt.“ Denn das ungewöhnliche Exponat ist eine funktionsfähige Radlader-/Bagger-Kombination. Am Fahrzeug sind eine Frontlader-Schaufel sowie eine gezogene, schwenkbare Bagger- Schaufel angebaut. Darüber hinaus lassen sich Fahr- und Warnlicht ansteuern. Anedo will mit diesem „Show-Car“ die Möglichkeiten des Konzepts open:system demonstrieren. Mit den open:system-Komponenten können Hersteller ohne großen Entwicklungs- und Programmierungsaufwand Maschinen automatisieren, wie mir Alexander Krieger, Mitarbeiter in der Entwicklung des Unternehmens und Experte für den Gokart-Umbau, erklärt. Anedo bietet für das open:system-System passende Bedienterminals, -joysticks, Steuerungen sowie Kommunikationsgeräte. open:connect W50 Peter Becker, Redakteur, Mobile Maschinen Das open:connect W50 ist eine High-Speed-Internet-Connectivity-Lösung, die auch in bestehende Systeme nachgerüstet werden kann. Sie unterstützt alle gängigen Kommunikationsstandards, wie GPS, 2G/3G/4G, WiFi und M2M, und bietet viele Wired- und Wireless-Schnittstellen. Auch Smartphones und iPads können direkt über eine App mit open:system-Komponenten verbunden werden und erhalten so einfachen und geschützten Zugang zu allen relevanten Maschinendaten. Auf der Arbeitsmaschine fungiert das open:connect W50 als Mobilfunk-/Internet-Router, WLAN-Hotspot und Kommunikationszentrale. Alternativ kann es als Blackbox schnell und einfach auf jeder Maschine installiert werden. 36 Mobile Maschinen 3/2016

NACHLESE I BAUMA 01 Die open:system-Komponenten im Einbauzustand Fehleingabe nahezu ausgeschlossen Als wir an das Exponat herantreten, fällt mir etwas Ungewöhnliches ins Auge. „Wir haben unsere T80 Bedienterminals um etwas Einzigartiges ergänzt. Sie arbeiten einerseits mit einem von Tablets bekannten kapazitiven 12,1“ Touch-Display mit Gestensteuerung. Wir haben jedoch zusätzlich Mulden für die Bedienflächen ins Display- Glas eingearbeitet. So erhält der Bediener ein taktiles Feedback und individuell konfigurierbare Joysticks lassen sich mit der sogenannten Slidestick-Technologie in die Glasfront integrieren“, so Krieger. Im Praxistest erweist sich diese Erweiterung der Bedienerführung als sehr nützlich. Mir gelingt es nicht, Fehleingaben zu tätigen. open:system open:system ist ein Automatisierungskonzept, mit dem sich mobile Arbeitsmaschinen einfach und sicher in den Markt bringen lassen. Ohne aufwendige Anwendungsprogrammierung können Hersteller eine Maschine einfach und innerhalb kürzester Zeit mit exakt den gewünschten Funktionen ausrüsten. Maßgeschneiderte I/O-Module lassen sich dank EtherCAT- Netzwerk direkt im CODESYS des Steuerungssystems konfigurieren und CANopen-, J1939- und ISOBUS- Schnittstellen nahezu beliebig auf der Maschine verteilen. Das gesamte Automatisierungssystem eines Prototyps ist offen gestaltet und lässt sich aus Modulen und Bausteinen einfach zusammenstecken und im Produktlebenszyklus jederzeit verändern. Die Hardware ist dadurch sehr kompakt und lässt sich auf kleinstem Raum unterbringen. Das Konzept ermöglicht eine individuell maßgeschneiderte Ausstattung – es kann daher auch kleinste Maschinen automatisieren. Das Gokart wartet jedoch noch mit weiteren Bedienkomponenten auf, wie ich feststelle, als ich auf dem Fahrersitz Platz nehmen darf. Die Steuerung der Anbaugeräte erfolgt über eine in die Armlehne integrierte Joystick-Bedienkonsole sowie ein oberhalb der Lehne angebrachtes T30 Maschinenterminal mit 5,6“ Display. Dieses lässt sich gut ablesen, das Bedienfeld öffnet und schließt sich automatisch, sobald ich das Display berühre bzw. keine Eingabe tätige. Die Bedienerführung ist unkompliziert und eingängig. Sie ist jedoch nur eine Beispielkonfiguration speziell für dieses Exponat, wie Krieger erläutert: „Unsere Geräte sind universal anpassbar. Wir sind in der Lage, unsere Komponenten den Vorstellungen und der CI unserer Kunden anzugleichen.“ Für die Zukunft gerüstet Nach einigen Schaufelbewegungen habe ich mich von der zum Gokart passenden spielend leichten Bedienung der Anbaugeräte überzeugt, doch mir stellt sich die Frage: Sind die Komponenten bereit für die Herausforderungen der vernetzten Baustelle? Entwicklungsexperte Krieger weist mich auf das open:connect W50 hin, das hinter der Sitzlehne angebracht ist: „Bei der Connectivity-Lösung handelt es sich im Prinzip um einen Router, der die modernen Kommunikationsstandards, die man vom Smartphone kennt, unterstützt.“ Mit ihr lassen sich Daten und Funktionen ins Netzwerk einbinden. Doch nicht nur für Baumaschinen sind die Anedo-Produkte geeignet. Denn bislang sei der Anwenderschwerpunkt in der Landtechnik zu finden, wie mir Iris Möller erklärt, als ich schweren Herzens von der Arbeitsmaschine heruntersteige. Bereits auf der letztjährigen Agritechnica hat das Unternehmen einen Gokart-Umbau für die Agrarwirtschaft präsentiert – damals unter anderem mit Frontgabel. Farming 4.0 steht somit ebenfalls nichts im Wege. Anedo werde zudem im kommenden Jahr wieder auf der Landtechnikmesse vertreten sein, so Möller weiter. Ich freue mich darauf und hoffe, dass die Automatisierungsexperten 02 Display mit Slidestick-Technologie bis dahin den einzige Makel der kleinsten Arbeitsmaschine der Welt beheben. Denn leider darf man sie auf der Messe (noch) nicht frei fahren. www.anedo.eu 03 Praxistest des Exponats