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Mobile Maschinen 3/2016

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MATERIAL HANDLING I

MATERIAL HANDLING I SPECIAL Der Röntgenblick für Staplerfahrer Branchenübergreifende Kooperation für die Logistik der Zukunft Arbeitsunfälle zu vermeiden, ist immer im Sinne des Maschinenführers, des -herstellers und -betreibers. Um die Arbeitssicherheit zu erhöhen und Sachschäden zu vermeiden haben die Motec GmbH aus Hadamar und die Vetter Industrie GmbH aus Burbach gemeinsam ein System entwickelt, dass dem Staplerführer u. a. erlaubt, hinter die Güter auf seiner Palette zu schauen. Während der Mensch sich bei der Erfassung seiner Umwelt auf seine fünf Sinne verlässt, übernehmen an Maschinen Sensoren diese Aufgabe. Ausgerüstet mit diesen „elektronischen Sinnesorganen“ liefert die SmartFork von Vetter Zusatzinformationen für den Maschinenführer. Die Vetter Industrie GmbH ist ein Spezialist für Gabelzinken für Stapler aller Art. Durch die Zusammenarbeit mit den Heavy-Duty­ Kamera-Monitor-Experten der Motec GmbH ist ein System entstanden, das den alltäglichen Gebrauch von Gabelstaplern deutlich sicherer und ergonomischer macht. Gesundheit und Güter schützen Dass es in Sachen Arbeitssicherheit Nachholbedarf bei Gabelstaplern gibt, belegen auch Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung aus dem Jahr 2013. Deren Statistik weist 10472 meldepflichtige Unfälle im Jahr mit Gabelstaplern aus. Dabei erlitten in einem Drittel der Fälle die Fahrer selbst Verletzungen. Bei 40 % der Unfälle traf es unbeteiligte Dritte. Bei den restlichen Unfällen blieb es bei Sachschäden. Diese Gefahren lassen sich mit moderner Technik verringern. Wie sehr dieses Thema auch den Unternehmen auf den Nägeln brennt, weiß Alexander Müller, Verkaufsberater der Motec GmbH, sehr gut: „Ich war bei einem Kunden aus der Möbelindustrie, dem wöchentlich hohe Schäden im 5-stelligen Bereich durch die unsachgemäße Aufnahme der Waren per Gabelstapler entstanden sind. Die baulichen Besonderheiten der Stapler, die fehlende Sicht für den Fahrer in Kombination mit einer kompakten Blocklagerung waren die Ursachen. Mit klassischen Kameralösungen alleine am Gabelträger und dem Hubmast ließ sich das nicht abstellen.“ Der Blick hinter die Palette Das führte 2013 zu der Idee, mittels neuer Kameraposition das Sichtfeld des Fahrers zu erweitern, so dass er auch hinter die Palette blicken kann. Dazu musste die Kamera jedoch in die Zinkenspitze. Und für den Blick in dunkle Ecken war dort natürlich auch Licht notwendig. Genau hier kommt Vetter ins Spiel. Das tiefgreifende Know-how in der Herstellung und Bearbeitung von Gabelzinken machte es möglich, die neue Kamera gemeinsam mit einer Motec Powerlight LED in die Zinkenspitze zu integrieren. Somit war 2014 die erste CamFork entstanden und – dank der gemeinsamen Projektarbeit – eine ganze Reihe weiterer Ideen. Denn durch die Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten und den Bedarf der modernen Lagerlogistik zeigte sich schnell das große Potenzial dieser Entwicklung, die Vetter mit der SmartFork dann quasi „auf die Spitze“ trieb. Denn gute Sicht ist eine Sache. Doch dem Fahrer eines Gabelstaplers kann man wesentlich mehr Informationen an die Hand geben, um den Warenumschlag sicherer zu machen und Schäden zu vermeiden. 26 Mobile Maschinen 3/2016

SPECIAL I MATERIAL HANDLING Optische und akustische Warnung So entstand in einem Brainstorming des Entwicklerteams beider Unternehmen die SmartFork Systemlösung. Dabei kommen neben der Kamera zusätzliche Sensoren zum Einsatz – allesamt in der Zinkenspitze integriert: Ultraschallsensoren zur Entfernungsmessung, eine Lasererkennung für das Palettenende und Neigungssensoren. Dem Fahrer werden all diese Informationen schnell erfassbar über das von Motec ent wickelte Steuergerät direkt auf einem Monitor in der Fahrerkabine angezeigt. Dabei wird der Fahrer sowohl optisch als auch akustisch gewarnt und gleichzeitig in die Lage versetzt, mittels eines künstlichen Horizonts den lastbedingten Neigungswinkel der Gabelspitze sicher zu erfassen und durch Änderung der Mastneigung zu korrigieren. „Dies alles in individuell angefertigten Gabelzinken mit geschützten Materialausfräsungen für die Kabeldurchführung unterzubringen, ohne negative Beeinflussung der jeweiligen Tragfähigkeit der Zinken, ist schon ein Alleinstellungsmerkmal für die Produktionskompetenz von Vetter“, erklärt Kathrin Röttgen nicht ohne Stolz. Sie ist bei der Vetter Industrie GmbH für das Marketing verantwortlich. Die in den speziell bearbeiteten Gabelzinken montierten elektronischen Komponenten entsprechen den sehr hohen Umweltanforderungen der Industrie und sind nach IEC 60529 gegen Hochdruckreinigung geschützt. Der Erfolg der beiden Unternehmen bei der Realisation dieses Projektes ist zugleich von besonderem Nutzen für die Kunden. Denn das System kann nicht nur für neue Stapler geordert werden, sondern eignet sich – dank des modularen Motec Systemkonzepts – auch für die Nachrüstung. Kamera und Sensoren müssen nicht kalibriert werden, sondern sind dank der von Motec entwickelten Software reine „Plug & Play-Module“. An Stelle einer kabelgebundenen Steuerung bietet Motec darüber hinaus das Ganze nun auch mit einer Digitalfunk übertragung an. Das vereinfacht den Einbau der Komponenten noch weiter und macht das System wartungsfreundlicher und weniger anfällig gegen Kabelverschleiß. Je nach Kundenwunsch lassen sich über ein Steuergerät bis zu zwölf Sensoren abfragen. Die Signale können über einen CAN-Bus weitergeleitet und gleichzeitig auf einem Monitor wiedergegeben werden. Lösungen für „Logistik 4.0“ „Die Kosten für das System amortisieren sich für die Lagerlogistik dank wesentlich geringerer Schäden bereits in Kürze“, ist Kathrin Röttgen aufgrund der Zahlen aus der Praxis überzeugt. Hinzu kommt aber auch der Vorteil einer besseren Ergonomie für Staplerfahrer durch die Monitoranzeige auf Augenhöhe, womit typische Haltungsschäden vermieden werden können. Das vermindert auch krankheitsbedingte Fehlzeiten. Durch die Integration der Motec Kameras direkt in die Gabelzinken gibt es keine überstehenden Teile. Somit haben die Anwender auch bei speziellen Ladungsträgern keine Einschränkungen. Der Neigungssensor gibt die relative Neigung der Gabelzinke zum Boden an. Auch bei unebenem Boden oder Gabelzinken unter Last erfolgt eine verlässliche Angabe, die mittels künstlichem Horizont auf dem Monitor für den Die Kamera ist in die Gabelzinke integriert. Es gibt keine überstehenden Teile Fahrer auf einen Blick erfassbar ist. Mittels Lasersensoren erkennt der Fahrer im Blocklager, ob bei Palettenaufnahme die dahinterstehende Palette mit angehoben wird oder nicht. Per Ultraschall wird ihm auch der Abstand angezeigt, um die Paletten platzsparend abzustellen. Sensoren im harten industriellen Alltag müssen viel aushalten. Die vollintegrierte Sensorik in der SmartFork entspricht deshalb der Schutzart IP69K – ist damit absolut staub- und wasserdicht und hält auch hohem Wasserdruck und Erschütterungen stand. Kathrin Röttgen zeigt sich optimistisch, dass die branchenübergreifende, partnerschaftliche Kooperation der Vetter Industrie GmbH und der Motec GmbH auf dem Weg zur „Logistik 4.0“ und der weiteren Digitalisierung und Vernetzung der Prozesse auch in Zukunft zu neuen überzeugenden Lösungen führen wird. Motec wird auf der CeMAT in Halle 26, am Stand K10 zu finden sein; Vetter Industrie direkt gegenüber in derselben Halle am Stand K09. www.motec-cameras.com www.gabelzinken.de igus ® dry-tech ® ... schmierfrei Lagern leicht gemacht ... Freiheit im Design ... Aus dem größten schmierfreien Linearbaukasten Gebogene Schienenprofile für die gesamte drylin ® Lineartechnik. Aus Aluminium mit hartanodischer Beschichtung. Variable Biegerichtungen. Individueller Projektservice. Vielfältig einsetzbar in Bedienund Steuerungselementen oder Monitor- und Maschinentürverstellungen. Lieferzeit ab 8 Tagen. igus.de/gebogene_Schienen ... drylin ® gebogene Linearprofile plastics for longer life ® igus ® GmbH Tel. 02203-9649-145 info@igus.de Besuchen Sie uns: CeMAT, Hannover - Halle 27 Stand E38, FabCon 3.D - Halle 2 Stand 712 igus.indd 1 04.05.2016 10:38:53 Mobile Maschinen 3/2016 27