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Mobile Maschinen 2/2015

Mobile Maschinen 2/2015

NACHRICHTEN 02

NACHRICHTEN 02 Hydraulik-Prüfstand am Mobima, die Anschlussleistung der Zentralhydraulik beträgt 360 kW 03 Allrad-Akustik-Rollenprüfstand, auf dem Fahrzeuge mit einem Gewicht bis zu 40 t untersucht werden können 04 Frei konfigurierbare Antriebs- bzw. Lastmaschinen ermöglichen Experimente mit einzelnen Komponenten und Systemen Zur Untersuchung von Fragestellungen rund um die Fahrzeuge gibt es am Campus Ost einen Allrad-Akustik-Rollenprüfstand, auf dem Fahrzeuge mit einem Gewicht bis zu 40 Tonnen, einem Radstand von bis 3,55 m und einem Achsabstand von bis zu 8 m untersucht werden können. Ich denke, wir können mit Recht stolz auf eine solche wohl weltweit einmalige Forschungseinrichtung sein. Wir entwickeln diese derzeit so weiter, dass auch die Arbeitsantriebe in den Maschinen vom Prüfstand belastet werden können. Für die Komponenten- und Systemuntersuchung wurde am Mobima ein Prüffeld aufgebaut, das sowohl eine hydraulische als auch eine elektrischer Versorgung mit Energie ermöglicht. Die Anschlussleistung der Zentralhydraulik beträgt 360 kW, elektrisch können 250 kW aus dem Netz entnommen werden. Diese Einrichtungen geben uns die Möglichkeit, z. B. neue Antriebstopologien zu erforschen. Sie haben mit Ihrem Institut in der Vergangenheit mehrfach an Verbundprojekten wie z. B. TEAM geforscht. Welche Aspekte sind dabei aus Ihrer Sicht besonders wichtig? Aufgrund der eingangs genannten Forschungseinrichtungen hat sich der Stiftungslehrstuhl zu einer anerkannten Fachstelle für Fragestellungen aus dem Bereich der mobilen Arbeitsmaschinen und Fluidtechnik etabliert. Mit der Industrie arbeiten wir sowohl an konkreten, anwendungsnahen Fragestellungen als auch der Weiterentwicklung von antriebs- und steuerungstechnischen Fragestellungen. In bilateralen Forschungsprojekten haben wir bereits viele ungelöste Fragen geklärt und so der Industrie zu neuen, innovativen Produkten verholfen. Beispiele sind die Entwicklung einer neuen, pulsationsarmen Betonpumpe oder ein neues Lenksystem für einen Langholztransporter. Aber auch in zahlreichen Projekten der Gemeinschaftsforschung, wie z. B. dem oben angesprochenen Projekt TEAM, hat der Lehrstuhl zusammen mit der Industrie neue Erkenntnisse geschaffen, die anschließend von der Industrie in marktfähige Produkte weiterentwickelt wurden. Erwähnen möchte ich hier die Entwicklung einer elektronischen Deichsel, die unter dem Namen Fendt GrudeConnect auf der Agritechnica 2011 eine Goldmedaille gewonnen hat. Sie haben verschiedene, mittlerweile etablierte Veranstaltungen wie z. B. die Hybridtagung oder die Fachtagung Mobile Machines entwickelt. Welche Vorteile ergeben sich daraus für Ihr Institut? Diese Tagungen geben uns die Möglichkeit, auf den Forschungsgebieten des Stiftungslehrstuhls neue Erkenntnisse zu diskutieren und in die Industrie zu transferieren. Die Tagungen „Hybride und energieeffiziente Antriebe für mobile Arbeitsmaschinen“ mit über 200 Teilnehmern und „Mobile Maschinen – Sicherheit und Fahrerassistenz für Arbeitsmaschinen“ mit über 100 Teilnehmern bieten die Möglichkeit, mit den Fachexperten aus OEM, Zulieferer und Wissenschaft zu diskutieren. Die Abendveranstaltungen vor und während der Tagungen zeigen auch deutlich dieses Interesse. Mit welchen Themen befasst sich das Mobima aktuell, wo liegen die Schwerpunkte? Wie bereits angedeutet, liegen die Schwerpunkte des Stiftungslehrstuhls heute im Bereich der Steuerungs- und Antriebstechnik. Der Lehrstuhl kann dabei sowohl auf erfolgreiche Projekte im Bereich der Fahrals auch der Arbeitsantriebe verweisen. Das Ziel ist die Verbesserung des Gesamtwirkungsgrads des Antriebs oder die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Insbesondere Konstantdrucksysteme sehe ich als sehr interessant an, da sie die Möglichkeit zur Rekuperation von Energie besitzen. Ein Projekt in dem ein Konstantdrucksystem mit Zwischendruckleitung untersucht wurde hat ein Einsparpotenzial von bis zu 20 % gezeigt. Aber auch die Kombination von Fahr- und Arbeitsantrieben ist ein sehr spannendes Forschungsfeld. Hier werden wir zukünftig sicher noch interessante Ergebnisse sehen. Mögliche Wirkungsgrad- und Leistungssteigerungen lassen sich nur mit einer optimalen Steuerstrategie erreichen. Am Stiftungslehrstuhl werden daher auch neue, im Bereich der Informatik entwickelte, Steuerstrategien untersucht. Lernfähige und prädiktive Steuerungssysteme bieten die Möglichkeit, wiederkehrende Situationen zu erkennen und Prognosen über den zukünftigen Leistungsfluss zu erstellen. Mit Hilfe dieser Informationen ist es dann möglich, eine Maschine automatisiert zu optimieren. Welche thematischen Schwerpunkte sehen Sie für Ihre zukünftige Arbeit? Das Thema Energie und CO 2 -Belastung der Umwelt ist ein gesellschaftlich hoch relevantes Thema, das uns sicher auch noch eine längere Zeit beschäftigen wird. Ziel ist es, eine nachhaltige Energieversorgung für die Welt zu entwickeln. Auch die mobilen Arbeitsmaschinen können hierbei ihren Beitrag leisten. Ich denke, dass die elektrischen Antriebe einen wertvollen Beitrag liefern können. Gleichzeitig ist die nachhaltige Energiespeicherung oder -zuführung eine heute noch 16 Mobile Maschinen 2/2015

ungelöste Fragestellung. Ich sehe auch in Zukunft Batterien als Nischenanwendung bei den mobilen Arbeitsmaschinen an, wie z. B. im Bereich der Flurförderzeuge. Dass wir in weiten Teilen mit elektrischer Energiezuführung z. B. über Oberleitungen arbeiten, sehe ich heute nicht. Die nachhaltige Gewinnung von flüssigen oder gasförmigen Energiespeichern, wie z. B. Methan oder Biokraftstoffen, sehe ich als mögliche Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Auch wenn die Energiespeicher heute noch teuer sind, so wären sie nachhaltig und würden einen Beitrag zur Reduktion der CO 2 -Belastung der Erde leisten. Die Berechnung einer Restlebensdauer und die Betriebsfestigkeitsrechnung sind Forschungsthemen, mit denen sich der Stiftungslehrstuhl bereits in der Vergangenheit beschäftigt hat. Es ist ein zuneh- mendes Interesse dieses Themas in der Industrie zu beobachten, so dass der Lehrstuhl seine Aktivitäten in dieser Richtung ausbauen wird. Der wirtschaftliche Umgang mit Ressourcen ist auch ein Thema, das uns alle betrifft und wird meiner Meinung nach weiter an Bedeutung gewinnen. Sehr geehrter Herr Professor Geimer, vielen Dank für das interessante Gespräch! Die Fragen stellte Michael Pfister, Chefredakteur der Fachzeitschrift Mobile Maschinen. Bilder: Lehrstuhl für Mobile Arbeitsmaschinen am KIT, 76131 Karlsruhe www.fast.kit.edu/mobima MOVE WITH OUR EXPERIENCE Check Valves Relief Valves Calibrated Orifices Die Zukunft der mobilen Arbeitsmaschinen benötigt geeignete Forschungseinrichtungen Peter-Michael Synek, Geschäftsführer des Fördervereins MOBIMA e.V., Frankfurt In Ermangelung eines auf die spezifischen Belange mobiler Arbeitsmaschinen ausgerichteten Institutes haben sich im Jahr 2002 namhafte Unternehmen der Branchen Antriebstechnik, Baumaschinen, Fluidtechnik, Fördertechnik, Landtechnik, die ihre Gemeinsamkeit in innovativen mobilen Arbeitsmaschinen, Offroad-Technologien und deren Komponenten finden, zusammen geschlossen, um einen Stiftungslehrstuhl mit dem Ziel der Forschung und Lehre im Bereich mobiler Antriebsmaschinen an der Universität Karlsruhe (TH) aufzubauen. Diese Initiative wurde vom VDMA und seinen betroffenen Fachverbänden und Forschungsvereinigungen im Interesse der Mitgliedsfirmen maßgeblich unterstützt, gefördert und mitgetragen. Nur durch gezielte und intensive Forschung können die zukünftigen Herausforderungen gelöst werden. Dazu braucht die Industrie starke Partner aus Forschung und Wissenschaft. Neben der anwendungsorientierten Forschung und der Grundlagenforschung ist der steigende Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften für die Industrieunternehmen einer der maßgeblichen Gründe, einen Stiftungslehrstuhl ins Leben zu rufen, um den Bedarf an entsprechend ausgebildeten Personal decken zu können. Viele der hiesigen Unternehmen im Bereich Mobile Arbeitsmaschinen und deren Zulieferindustrie gelten als weltweite Technologie- und Marktführer. Umso wichtiger war es der Industrie, mit einem anwendungsorientierten Lehrstuhl systemorientierte Fragestellungen gemeinsam angehen zu können. Die Universität Karlsruhe (TH) wurde als besonders geeigneter Standort ausgewählt. Für die Studenten wurde damit ein höchst attraktives Angebot mit einer sehr zukunftsträchtigen und interessanten Technologieorientierung aufgebaut. Der Förderverein MOBIMA e.V. finanziert zehn Jahre den Stiftungslehrstuhl für mobile Arbeitsmaschinen am KIT unter Leitung von Herrn Prof. Geimer. Ein Beleg dafür, wie sehr die Zusammenarbeit geschätzt wird, ist, dass der Förderverein MOBIMA e.V. mit einem leicht geänderten Vereinszweck auch zukünftig die wissenschaftliche Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet mobiler Arbeitsmaschinen und deren technischem Zubehör fördern wird. Flow Controls Restrictor Checks Betaplugs Safety Screens Shuttle Valves Airbleed LEE Hydraulische Miniaturkomponenten GmbH Am Limespark 2 · 65843 Sulzbach Telefon 06196 / 77369-0 E-mail info@lee.de · www.lee.de Neuer Platz auf der HANNOVER MESSE 13.-17. April 2015 Halle20,St.C31 Mobile Maschinen 2/2015 17