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Mobile Maschinen 1/2018

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ANTRIEBE UND

ANTRIEBE UND ANTRIEBSELEMENTE I VERBRENNUNGSMOTOREN Von der Wäschespinne zum Megasolarpark Leistungsstarke Motoren für Schraubfundament-Spezialmaschinen Auf Schraubfundamenten setzen verschiedene Konstruktionen auf, die im Boden verankert werden müssen. Erfunden hat sie Klaus Krinner, als er für seine Frau eine Wäschespinne in der Erde befestigen sollte. Aus der Idee ist ein großes und internationales Geschäft entstanden. Schraubfundamente werden für alles eingesetzt, was fest und zugleich reversibel im Boden verankert werden muss. Im Jahr 2005 stand das Familienunternehmen Krinner vor einem wichtigen Schritt in der Firmengeschichte: Das Geschäft mit den Schraubfundamenten hatte sich nicht nur in Deutschland etabliert, sondern florierte über Kooperationen mit Partnerunternehmen auch weltweit. Immer größere Projekte, darunter viele Solarparks, stehen auf Schraubfundamenten der Firma Krinner. Wegen der steigenden Anzahl an Fundamenten, die in die Erde gesetzt werden mussten, startete Krinner einige Jahre später die Entwicklung und Konstruktion einer Maschine, mit der sie weitgehend automatisiert in den Boden eingedreht werden können. Die firmeninterne Entwicklungsabteilung unter Führung des Familienmitglieds Günther Thurner konstruierte die erste Maschine. Die Anforderungen an das Gerät wurden von Anfang an hoch kalkuliert, was auch die Ansprüche an Qualität, Leistung und Ausdauer des Motors bestimmte. Mit dem luftgekühlten Hatz 3L41C Dreizylinder- Dieselmotor mit 36 kW bei 2 300 min -1 hatte Hatz das perfekte Modell im Portfolio. In den Folgejahren fertigte Krinner rund 15 Maschinen pro Jahr für den Eigenbedarf bzw. die Partnerunternehmen und baute so seine marktführende Position im Bereich der Schraubfundamente weltweit aus. Gutes noch besser machen sige Bodenfixierung mit Schraubfundamenten. Beim Bau der großen Solarparks stiegen allerdings die Anforderungen an die Eindrehmaschinen. Zudem stand Krinner vor einer neuen Herausforderung: Neben den deutschen und europäischen Normen für den professionellen Betrieb von Bohrgeräten mussten die Maschinen im weltweiten Einsatz, beispielsweise in den USA, auch die Tier-4-final-Emissionsrichtlinien einhalten. Ende 2012 begann die Entwicklung einer neuen Maschine. Diese sollte nicht nur den weltweiten Normen, Gesetzen und Emissionsauflagen entsprechen, sondern auch deutlich mehr Fundamente pro Stunde setzen können. Zudem sollte sie leicht zu transportieren und wartungsarm sein. Nach der Grundkonstruktion mit automatisch schwenkbarer und selbstausrich­ Immer mehr Solarparkbetreiber vertrauen auf die kostengünstige, flexible und zuverlästender Lafette, einem Raupenantrieb und einer genauen Bohrpunktbestimmung via GPS wurde nach einem passenden Motor gesucht, der dem hydraulischen Antrieb genügend Leistung und Drehmoment verschaffte. Auch hier warteten die Experten von Hatz mit Lösungsoptionen auf. Die ursprüngliche Idee, den bisherigen luft gekühlten Motor mit einem zusätzlichen Dieselpartikelfilter auszurüsten, wurde schnell verworfen. Zwar hätte diese Variante sowohl der Leistung als auch den strengen Emissionsrichtlinien in den USA genügt, doch der zusätzliche Dieselpartikelfilter hatte in der Maschine schlichtweg keinen Platz. Die Einbaumaße des Motors in Kompaktmaschinen spielt allgemein eine große Rolle und auch bei Krinner konnte der Motorraum nicht beliebig 20 Mobile Maschinen 1/2018

01 ANZEIGE .ORG SAUBERE KÜHLER mehr Leistung weniger Verbrauch weniger Lärm Hägele.indd 1 10.01.2018 09:21:54 01 Der platzsparende Vierzylinder erfüllt alle gängigen Abgasvorschriften 02 Die Spezialmaschine musste so konzipiert werden, dass sie mit einem gewöhnlichen Pkw-Anhänger transportiert werden kann vergrößert werden. Man benötigte eine Alternative und wurde gemeinsam mit Hatz schnell fündig. Einbaumaße und Gewicht entscheidend Die Entscheidung fiel auf den flüssigkeitsgekühlten Hatz 4H50TIC OPU. Neben dem üppigen Leistungs- und Drehmomentangebot auch bei niedrigen Drehzahlen war für Krinner auch das Einbaumaß eines der wichtigsten Entscheidungskriterien. Erstens muss der Schwerpunkt der Maschine möglichst niedrig sein, um eine Standstabilität laut Bohrgerätenorm zu gewährleisten. Zweitens sollte das Gesamtgewicht inklusive der schwenkbaren Bohrlafette bei maximal 2,4 t liegen, 02 damit die Maschine auch auf herkömmlichen Pkw-Anhängern transportiert werden kann. Drittens sind Gesamtmaße und Gewicht der Maschine für den weltweiten Transport per Con tainer oder Frachtflugzeug entscheidend, wobei der Motor eine kritische Komponente darstellt. Bei diesem Hatz Aggregat mit Common- Rail-Technologie und Turbolader wurde ein Downsizing-Ansatz realisiert, der es zum kompaktesten und leichtesten seiner Klasse macht. Der Motor kommt aufgrund modernster Technologie ohne platzraubenden Partikelfilter aus, um die strengen Abgasvorschriften Stufe IIIB in der EU und EPA Tier 4 final in den USA zu erfüllen. Günstig für den platzsparenden Einbau erwies sich zudem die Option der „Plug and Play“ Open Power Unit (OPU). In dieser Variante wird der Motor bereits mit Kühler und allen Nebenaggregaten fest installiert und optimiert ausgeliefert. Einzige zusätzliche Aufgabe für Krinner war, eine Motorhaube für den Arbeitsschutz zu installieren. Bis zu 125 Schraubfundamente pro Stunde Mitte 2015 kamen die ersten neu konstruierten Maschinen zum Einsatz. Eines der außergewöhnlichen Projekte entstand in El Salvador. Hier wurde eine der größten Solarstromanlagen des Landes mit 100 MW Leistung errichtet. Die Konstrukteure und Betreiber entschieden sich für die Schraubfundamente von Krinner, da diese wesentlich schneller als Betonfundamente gesetzt werden können, eine sehr lange Lebensdauer haben und vergleichsweise günstig sind. Krinner setzte mit seinen neuen Hatz-betriebenen Maschinen 60 300 Schraubfundamente als Trägerkonstruktion für insgesamt 320 148 Solarmodule. In nur drei Monaten war das Eindrehen der Schraubfundamente mithilfe der leistungsfähigen und zuverlässigen Maschine erledigt. „Für eine komplette Schicht mit der neuen Maschine reichen etwa 45 l Diesel, was knapp einer Tankfüllung entspricht. Mit den Vorgängermaschinen mussten wir teilweise mehrmals täglich tanken. Insbesondere bei großen Projekten, wo der Weg zum Tankwagen weit sein kann, kostete dies wertvolle Zeit“, führt Günther Thurner aus. Unter optimalen Bodenbedingungen dreht die neue Maschine bis zu 125 Schraubfundamente pro Stunde ein, im Schnitt mit unterschiedlichen Bodenstrukturen errechnet sich ein Mittel von 60 Fundamenten pro Stunde. www.schraubfundamente.de www.hatz-diesel.com Mobile Maschinen 1/2018 21

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