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Mobile Maschinen 1/2017

Mobile Maschinen 1/2017

Zeit mobil zu werden

Zeit mobil zu werden Modulares Steuerungssystem für die Zukunft der mobilen Automatisierung Dass B&R moderne Technologien mit Engineering verbinden kann, hat der Spezialist für Industrieautomatisierung längst bewiesen. 2017 zeigt das österreichische Unternehmen, dass es zudem für die Umbruchphase der Automatisierung mobiler Arbeitsmaschinen gewappnet ist. Wir sprachen hierzu mit Stefan Taxer, Produktmanager Mobile Automation. nenbranche als neues Wachstumsfeld strategisch zu bedienen. Warum haben Sie diesen Schritt gewagt? Nach einer umfangreichen Marktanalyse haben wir erkannt, dass wir klare Stärken gegenüber Marktbegleitern haben. Wir sind ein weltweit agierendes Unternehmen, das mit mehr als 180 Büros seine Aludruckgussgehäuse Kunden mit Logistik, Support und Trainings in Landessprache bedienen kann. Zudem sind wir ein Technologiepartner für unsere Kunden. Wir treiben auf Basis stetiger Marktanalysen in Eigeninitiative die Umsetzung von neuen Technologien voran und stellen so sicher, dass unsere Kunden stets mit neuen innovativen Lösungen ihre Marktposition ausbauen und behaupten können. Mit unseren Herr Taxer wie kam es dazu, dass B&R zum ersten Mal ein Produkt für den Bereich der mobilen Automation entwickelt hat? 4x Optionskarten Wir sind bekannt als Experte für industrielle Automatisierungstechnik und bedienen mit unserer Produkt- und Technologieplattform seit mehr als 35 Jahren unterschiedliche Branchen. Da die System anforderungen dem des industriellen Maschinenbaus stark ähneln, hat B&R entschieden die Agrar- und Baumaschi- Mainboard CPU + I/O oder BC + I/O Schnelles Ethernet CAN (3x) I/Os Das modulare Steuerungs- und I/O-System X90 lässt sich mit Erweiterungsplatinen optimal an jede Anwendung anpassen 22 Mobile Maschinen 1/2017

STEUERUNGSSYSTEM I MOBILE AUTOMATION Stefan Taxer, Produktmanager Mobile Automation bei B&R, Eggelsberg: „Ein Steuerungssystem bedarf weit mehr als guter Hardware.“ standardisierten Hard- und Softwarelösungen nehmen wir unseren Kunden viel Entwicklungs- und Wartungsaufwand ab. Wurde das X90-System bereits etabliert? X90 ist bereits erfolgreich auf ersten Maschinen im Einsatz. Erste Exemplare des Steuerungs- und I/O-Systems haben wir 2016 auf den Markt gebracht. Ab 2017 steht es als Serienprodukt zur Verfügung. Bereits jetzt bieten wir eine Vielzahl an Optionsplatinen für weitere Interfaces, I/Os und Condition Monitoring zur Verfügung. Weitere Optionsplatinen sind in Entwicklung. Was war für Sie die schwerste Herausforderung bei der Konzipierung? Das modulare Steuerungs- und I/O-System X90 Mit dem modularen Steuerungs- und I/O-System X90 lassen sich flexible Automatisierungskonzepte auf Basis eines standardisierten Gesamtsystems umsetzen. Herzstück ist eine Steuerung mit leistungsstarkem ARM-Prozessor und 48 Multifunktions-I/Os. Zur Grundausstattung gehören Anschlüsse für CAN, USB, Ethernet und das Echtzeit-Bussystem Powerlink. Zudem bietet das robuste Gehäuse aus Aluminiumdruckguss Platz für bis zu vier Erweiterungsplatinen. Dadurch lassen sich weitere I/Os, Schnittstellen und eine vollwertige Sicherheitssteuerung mit sicheren I/Os ergänzen. Interfaces für WLAN, Bluetooth und GPS über Erweiterungsplatinen sind geplant. Alle Produkte des X90-Systems sind für den Einsatz in rauer Umgebung ausgelegt. Sie haben einen Arbeitsbereich von -40 bis +85 °C, halten starke Vibrationen oder Schock aus und sind gegenüber Salz, UV-Licht und Öl resistent. Auch verfügt das X90 über alle Vorteile der Automatisierungstechnologie von B&R. Dazu gehört z. B. eine modulare und hardwareunabhängige Software-Entwicklung mit modularen Software- Bausteinen. Um die Produktlinie flexibel einsetzen zu können, werden Branchenstandards für Land- und Forstwirtschaft, sowie für die Bau- und Kommunaltechnik abgedeckt. Darüber hinaus verfügt das Produkt über umfangreiche Zertifizierungen. Die einzige Herausforderung war die Entwicklung des Hardware-Produkts, da die Software und das Betriebssystem bereits ausgearbeitet sind. In dem Steuerungssystem X90 stecken Bauteile, die einem weiten Temperaturbereich standhalten müssen. Zudem wurde speziell auf Umwelt bedingungen, die Kühlung, das Kondenswasser sowie eine Schock- und Vibrationsbeständigkeit geachtet. Die Programmierung der Software erfolgt mithilfe unseres Werkzeugs Automation Studio. An dieser Stelle profitieren unsere Kunden von den 35 Jahren Erfahrung in der industriellen Automatisierung. In einer komplexen mobilen Maschine bedarf es einer optimalen Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten. Warum haben Sie sich hierzu für das Echtzeit-Bussystem Powerlink entschieden? Betrachtet man heute die Netzwerkstruktur auf einer mobilen Maschine, so sind im Regelfall mehrere CAN-Interfaces mit verschiedenen Protokollen parallel verkabelt. Der Grund dafür ist, dass bestehende Automatisierungslösungen historisch gewachsen und so immer neue Komponenten dazugekommen sind. Sprich die Automatisierung eines mobilen Fahrzeugs ist sehr komplex geworden, weil immer wieder etwas dazu gebaut wurde. Allein der damit verbundene Wartungsaufwand und die Weiterentwicklung stellt die Firmen vor eine große Herausforderung. Das ist der Grund, warum wir auf Powerlink zurückgreifen, da es 400-mal performanter als bestehende CAN-Bussysteme ist. Zudem können sichere Daten bis PLe oder SIL 3 und Nutzdaten über ein gemeinsames Kabel übertragen werden. Auch kann aufgrund einer Companion Specification OPC UA über Powerlink transportiert werden. Der CAN-Bus bleibt weiterhin für einfache Sensoren oder Tastatureinheiten im Einsatz. Inwiefern spielt für Ihr Unternehmen der stetige Bedeutungszuwachs der Automatisierung gerade in der Landwirtschaft mit eine Rolle? Sehr. Man muss sich vor Augen halten, dass große Landmaschinenhersteller, die im Jahr vielleicht 50 000 Traktoren produzieren, selbst Systemlösungen entwickeln und B&R somit nicht zwingend brauchen. Für kleinere Herstellern, die im Jahr 50 bis 3 000 Traktoren bauen, ist es hingegen viel schwieriger, zum Beispiel eine Cloud- Anbindung ihrer mobilen Arbeitsmaschine zu ermöglichen. Eventuell ist es für sie auch gar nicht möglich, da die finanziellen Mittel, die Entwicklungskompetenzen oder die Ressourcen fehlen. In einer einfachen Maschine werden unter anderem auf einem Display einige Daten angezeigt und mit der Steuerung einige Proportionalventile geregelt. Das reicht für moderne Maschinen aber nicht mehr aus. Wenn wir uns die Trends mit autonomen Arbeitsprozessen oder teilautonomen Funktionalitäten anschauen, brauchen diese Firmen einen Partner wie B&R, der diese Technologie standardisiert anbietet, weiterentwickelt und wartet. Was zeichnet Sie als kompletten Systemanbieter aus? Das vollständige und durchgängige System. Dazu gehören natürlich Hardware und Software, darunter Tools für Entwicklung, Diagnose, Wartung und Simulation die alle nahtlos miteinander verbunden sind. Genauso wichtig ist aber eine weltweite Vertriebs- und Serviceinfrastruktur mit Mitarbeitern, die vor Ort in Landessprache unterstützen. All das bieten wir als B&R unseren Kunden. Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte unsere Redakteurin Svenja Stenner. www.br-automation.com Mobile Maschinen 1/2017 23