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Mobile Maschinen 1/2016

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AGRITECHNICA NACHLESE

AGRITECHNICA NACHLESE wird, wodurch längere Garnenden entstehen, die für einen sichereren Knoten sorgen. Für die Knoterreinigung wurde ein Gebläse mit aktiver Luftführung entwickelt. Das Assistenzsystem soll auch unerfahrene Fahrer dabei unterstützen, die Maschine bestmöglich auszulasten und Ballen mit gleichmäßiger Dichte zu pressen, ohne ein Garnreißen zu riskieren. Die Firma Rasspe hat erstmalig einen Doppelschlaufenknoter für Quaderballenpressen entwickelt. Dies entlastet die Knoternadel, da durch das Prinzip der zweifachen Knotung keine Klemmung des Garns notwendig ist. Durch die Verwendung der Schlaufenknoten wird eine höhere Knotenfestigkeit erreicht, was wiederrum zu einer höheren Pressdichte des Ballens führt. Ein Garnrest entsteht dabei nicht. Das Getriebe des Knoters arbeitet in einem geschlossenem System und der gesamte Knoter kann für eine schnelle Wartung einfach entnommen werden. Die Firma John Deere erhielt für sein Assistenzsystem zur Messerschärfe- und Schneidspalteinstellung der neuen Feldhäckslerserie 8000 eine Goldmedaille auf der Agritechnica. Für eine hohe Schnittqualität und einen geringen Energieeinsatz in der Futterernte ist es wichtig, dass der Schneidspalt zwischen Messer und Gegenschneide korrekt eingestellt ist und die Messer scharf sind. Bislang erfolgte beides über Erfahrungswerte des Häckslerfahrers. Das John Deere ProCut ermittelt über zwei induktive Sensoren die Schneidenform. Dadurch kann eine Aussage zur Messerschärfe getroffen werden und zudem wird aus dem Signal der aktuelle Abstand zur Gegen- 13 Claas MCC Corncracker [Claas] schneide ermittelt. Über ein Ampelsystem bekommt der Fahrer Hinweise angezeigt, wann die Gegenschneide eingestellt und die Messer geschliffen werden sollten. Darüber hinaus wird auch ein Vorschlag über die optimale Anzahl an Schleifzyklen gemacht. In der Häckselguterzeugung ist mit der Shredlage-Silage ein deutlicher Trend zu Häcksellängen bis über 30 mm erkennbar. Gleichzeitig fordern Biogasanlagen Häcksellängen von unter 5 mm, sodass Lohnunternehmer nicht beide Kundenwünsche ohne die Anpassung der Messeranzahlen auf der Trommel erfüllen können. Die Firma Krone bietet als Lösung ein Planetengetriebe an, dass in die Antriebsriemenscheibe der Häckseltrommel integriert ist. Dieses VariLoC-genannte Getriebe mit zwei Übersetzungsstufen kann die Trommeldrehzahl verringern. Dadurch kann ohne Umrüstung der Trommel ein Häcksellängenbereich von 2,5 mm bis 30 mm abgedeckt werden. Weiterhin bietet Krone nun einen Cracker mit 105 Zähnen an, der speziell für die Aufbereitung langer Häcksellängen ab 20 mm vorgesehen ist. Die Firma Claas stellt mit den Multi Crop Crackern (MCC, Bild 13) MAX und SHREDLAGE zwei neue Aufbereitungssysteme für Langschnittsilage vor, die mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurden. Im Vergleich zum bekannten Walzenaufbereiter (MCC CLASSIC) besteht der MAX aus 30 konischen Ringsegmenten, die drehfest auf einer Welle verspannt sind. Die jeweils gegenüberliegenden Ringsegmente weisen unterschiedliche Durchmesser, sowie eine Drehzahldifferenz von 30 % auf. In Kombination mit dem Sägezahnprofil der Ringsegmente werden die Körner und Stängel nicht nur durch Reibung aufbereitet, sondern auch durch zusätzliches Schneiden und Scheren an den Ringsegmenten (vgl. Bild 14). Laut Hersteller liegt die empfohlene Häcksellänge für diesen Cracker zwischen 7 mm und 22 mm. Der MCC SHREDLAGE Corncracker (Bild 15) ist für Langschnittsilage mit einer empfohlenen Häcksellänge zwischen 26 mm und 30 mm konzipiert. Shredlage Silage ist in den USA weit verbreitet und zeichnet sich durch längeres Häckselgut aus, das intensiver aufbereitet bzw. aufgefasert wird. Die Struktur des Futters bleibt erhalten, was laut Hersteller zu einer höheren Milchleistung führt. Der Shredlage Corncracker besteht aus zwei Walzen mit Sägezahnprofil, in die jeweils eine gegenläufige schraubenförmige Nut eingebracht wurde. Die Drehzahldifferenz der Walzen beträgt 50 %. Durch die umlaufende Nut wird das Häckselgut nicht nur in Gutstromrichtung, sondern auch in Querrichtung zerrieben. Auf der Agritechnica 2009 wurden erstmals Systeme zum automatischen Befüllen der Transporteinheit beim Häckseln der Firmen Claas und New Holland mit Goldmedaillen prämiert. Jetzt zeigt die Firma John Deere eine weitere Entwicklungsstufe, die mit Silber prämiert wurde, bei der neben der Automatisierung der Auswurfkrümmer- und Auswurfklappensteuerung auch die Automatisierung des Abfahrgespanns integriert ist. Im neuen System Active Fill Control Sync werden die Positionsdaten des Häckslers wie auch des nebenherfahrenden Traktors genutzt, um in Kombination mit den Sensordaten der am Überladekrümmer montierten Kamera eine automatische Führung des Traktors zu realisieren (Bild 16). Die Kamera erkennt, wie bei den schon bestehenden Systemen, die Wagenkontur und die Füllhöhe im Ladewagen, sowie die Relativposition der Fahrzeuge zueinander. Zur Steigerung der Genauigkeit werden auch die GNSS Daten genutzt, um den Auswurfkrümmer optimal auszurichten und die Überladeverluste zu minimieren. Der besondere Mehrwert des Systems besteht in der automatisierten Führung des Abfahrgespanns, die möglich ist, wenn sich dieses in einem bestimmten Bereich seitlich oder hinter dem Feldhäcksler befindet. Das System berechnet auf Basis der Positionsdaten und der Geschwindigkeit des Feldhäckslers eine Bahn für den Traktor und übernimmt die automatische Steuerung. Der Fahrer des Traktors wird von der anstrengenden Aufgabe befreit, die Relativposition zum Häcksler zu halten und der Fahrer des Häckslers hat die Möglichkeit, die Position des Abfahrgespanns sowohl in Längs- als auch in Querrichtung zu verschieben, die eigentliche Längs- und 38 Mobile Maschinen 1/2016

AGRITECHNICA NACHLESE Querführung übernimmt das System. Auch die Möglichkeit, das Abfahrgespann automatisch auf die andere Seite des Feldhäckslers bei kontinuierlichem Überladen zu führen, ist durch das System gegeben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die gesamte Häckselkette durch eine automatische Wagensynchronisation zu optimieren. Die Ladewagenbaureihe ZX der Firma Krone wurde grundlegend überarbeitet und deckt nun mit 6 Modellen Baugrößen von 43 m³ bis 56 m³ Ladevolumen ab. Besonderes Augenmerk wurde auf das neuentwickelte Antriebskonzept gelegt. Der Förderrotor wird nun seitlich über einen Verbundriemen angetrieben. Zusammen mit einem in den Rotor integrierten Planetensatz konnte der seitlich neben dem Rotor benötigte Bauraum reduziert und der Rotor mit nun 1910 mm breiter ausgeführt werden. Durch die ebenfalls verbreiterte, hydraulisch angetriebene Pickup kann damit die Durchsatzleistung gesteigert werden. Weiterhin hat Krone eine schwenkbare Vorderwand integriert, die während des Beladevorgangs zusätzlichen Laderaum bereitstellt und beim Entladen nach hinten schwenkt und dadurch aktiv das Erntegut aus dem vorderen Teil ausstößt. Die Firma Fendt präsentierte auf der Agritechnica mit dem VarioLiner (Bild 17) einen Ladewagen und entwickelt sich zum Full-Liner in der Futterernte. Der Ladewagen wurde in Zusammenarbeit mit der TU Dresden und der Maschinenfabrik Stolpen entwickelt, die bereits Ladewagen für die Marken Deutz-Fahr, VICON und Kverneland herstellt. Das neu entwickelte Ladesystem besteht aus einer 2000 mm breiten, hydraulischen Pickup und dem mit 1200 mm schmalsten Rotor auf dem Markt. Nach der Aufnahme des Erntegutes durch die ungesteuerte Pickup wird die Gutflussbreite durch zwei Zuführschnecken an beiden Seiten auf die Rotorbreite verringert. Dadurch wird eine gleichmäßigere Auslastung des Rotors erreicht, alle Messer werden einheitlich beansprucht und die Schnittqualität wird verbessert. Durch einen schmaleren aber gleichzeitig höheren Gutstrang sollen Energieverluste durch Reibung des Futters zwischen Rotorzinken und Schneidboden verringert werden. Als weitere innovative Neuerung stellte Fendt eine verschiebbare Stauwand vor. Diese wird gemeinsam mit dem Kratzboden verschoben und während des Ladevorgangs nach hinten bewegt. Durch die Stauwand wird eine sehr gleichmäßige Befüllung über den gesamten Laderaum und eine höhere Ladedichte erreicht. Zum Entladen wird die Stauwand zusammen mit der Rückwand aufgeschwenkt. Die Firma Kuhn hat auf der vergangenen Agritechnica ein Nonstop Wickelgerät für Rund- und Quaderballen vorgestellt. Das neuartige System nennt sich AUTOLOAD und kann wahlweise einen Rund- oder Quaderballen aufnehmen, diesen mit Folie umwickeln und wieder ablegen. Vor Beginn der Arbeit wird über das Terminal die Art und die Dimensionierung der Ballen vorgegeben, woraufhin sich das Wickelgerät auf die Ballen voreinstellt (u. a. Abstand der Ladearme). Die Länge der Quaderballen wird über einen eindimensionalen Laserscanner erfasst. Weiterhin sind unterschiedliche Wickelstrategien je nach Ballentyp im System hinterlegt und stellen somit die Drehzahlen der Walzen an den Ladearmen entsprechend ein. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 4-5 km/h können die Ballen ohne Probleme aufgenommen werden. Pro Minute können nach Herstellerangaben ca. 6 Ballen umwickelt werden und es findet eine Steigerung des Arbeitsflusses als auch der Verfahrensleistung statt. Teil 2 des Agritechnica-Rückblicks finden Sie in der kommenden Ausgabe Ihrer Mobile Maschinen. In diesem werden unter anderem die Innovationen aus den Bereichen Assistenz- und Managementsysteme vorgestellt. z Aufmacherbild: DLG 14 Claas Corncracker MCC Max [Claas] 15 Claas Corncracker MCC Shedlage [Claas] 16 John Deere Active Fill Control Sync [John Deere] 17 Fendt VarioLiner [Fendt] Mobile Maschinen 1/2016 39

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