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Mobile Maschinen 1/2016

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AGRITECHNICA I NACHLESE

AGRITECHNICA I NACHLESE Innovationen und Highlights der Agritechnica 2015 Rückblick auf die Landtechnikmesse AGRITECHNICA-RÜCKBLICK TEIL 1 Tobias Blume, Steffen Hanke, Sebastian Kemper, Till- Fabian Minßen, Jan Schattenberg, Julian Schmiemann, Florian Schramm, Frederick Sümening, Lars Thielke, Ludger Frerichs Mehr als 450 000 Besucher erlebten auf der Agritechnica 2015 modernste Agrartechnik und die neuesten Innovationen der über 2900 Aussteller. Die Messe bestätigt damit ihre Stellung als Weltleitmesse für Agrartechnik. Der Ausstellungsbereich Systems & Components mit der Gliederung in System-, Modul-, Komponenten- und Teilelieferanten habe sich profiliert und sei von Unternehmen und Kunden angenommen worden, so Dr. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer des Veranstalters DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft). Dipl.-Ing. Tobias Blume M. Sc. Steffen Hanke Dipl.-Ing. Sebastian Kemper Dipl.-Ing. Till-Fabian Minßen Dipl.-Ing. Jan Schattenberg M. Sc. Julian Schmiemann M. Sc. Florian Schramm Dipl.-Ing. Frederick Sümening Dipl.-Wi.-Ing. Lars Thielke Prof. Dr. Ludger Frerichs, alle TU Braunschweig Die wirtschaftliche Lage und Einschätzung beschreibt der Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Landtechnik Dr. Bernd Scherer als regional sehr unterschiedlich. Insgesamt bewerteten 80 % der Unternehmen die Messe jedoch mit guten oder sehr guten Schulnoten, „ein erstklassiges Zeugnis in schwieriger Lage“, so Scherer. Der VDMA konnte seine Produktionsprognose für 2015 durch eine positive Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr leicht nach oben korrigieren, sie liegt nun bei minus 7 Prozent. Für das kommende Jahr wird mit einem etwas verringerten Minus von 5 Prozent ausgegangen. Diese Umkehrung der Entwicklung wird gestützt durch die Ergebnisse des CEMA-Business- Barometers (Comité Européen des groupements de constructeurs du machinisme agricole). Der dort ermittelte Geschäftsklimaindex zeigt wieder nach oben, das erste Mal seit Anfang 2014. 32 Mobile Maschinen 1/2016

AGRITECHNICA NACHLESE Bodenbearbeitung Die Messe war wieder geprägt von vielen Neuheiten und Weiterentwicklungen. Um bei Aufsattelpflügen die Seitenführung zu optimieren, hat die Firma Lemken das mit einer DLG-Silbermedaille ausgezeichnete System OptiLine entwickelt. Ziel ist, die Verbindungslinie zwischen dem Zugpunkt des Aufsattelpfluges und dem Zugpunkt des Traktors durch die Mitte der Traktorhinterachse zu legen. Dadurch wird der Seitenzug verringert und der Kraftstoffbedarf reduziert. Ein mit Druck beaufschlagter horizontal angeordneter Hydraulikzylinder am Pflugturm erzeugt ein zusätzliches Drehmoment auf den Traktor. Die Zuglinie verschiebt sich zur Mitte der Traktorhinterachse. Laut Hersteller ergibt sich eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs um 10 % sowie eine Entlastung des Fahrers, da der Seitenzug nicht mehr durch Gegenlenken ausgeglichen werden muss. Eine gleichmäßigere Vorderfurchenbreite wirkt sich darüber hinaus positiv auf die Arbeitsqualität aus. Eine Lösung zur vereinfachten Einstellung von Bodenbearbeitungsgeräten aus der Traktorkabine heraus stellte die Firma John Deere mit der, mit einer Silbermedaille prämierten, TruSet Gerätesteuerung vor. Anstatt wie bisher über die Ansteuerung einzelner Ventile ist es bei diesem System möglich, die Bodenbearbeitungsgeräte über das Traktorterminal (Bild 1) einzustellen. Dies bietet unter anderem die Möglichkeit, verschiedene Einstellkonfigurationen zu speichern und diese im Nachhinein aufzurufen. Zudem passen sich die verschiedenen Funktionseinheiten automatisch an veränderte Einstellungen an. Wird beispielsweise die Scheibenegge einer Kombination tiefer eingestellt, passen sich die nachfolgenden Einheiten automatisch an. Die Firma Väderstad zeigte ein System zur automatisierten Einstellung von Bodenbearbeitungsgeräten. Das als Automatic Cross- Board vorgestellte System wurde von der DLG mit einer Silbermedaille prämiert. Über eine vor dem Crossboard schwenkbar montierte Gleitkufe (Bild 2) wird mittels eines Gyro-Sensors die Höhe des vor dem Crossboard aufgeschobenen Erdwalls bestimmt. Die Position und Stellung des Crossboards wird über einen weiteren Gyro-Sensor ermittelt. Der Fahrer stellt auf dem Traktorterminal über eine Skala die gewünschte Höhe des Erdwalls, sowie die Regelintensität ein. Die Maschineneinstellungen werden dann automatisch vorgenommen. Bestellung Die Firma Lemken automatisiert die Abdrehprobe zur Saatguteinstellung von pneumatischen Drillmaschinen, wodurch ein manuelles Abdrehen und Wiegen der Saatgutmenge entfällt. Bei der automatischen Abdrehprobe wird das aus den vertikal angeordneten Dosiereinheiten strömende Saatgut-Luft-Gemisch einer Wiegeeinheit mit 20 l Fassungsvermögen zugeführt. Dafür sind in den pneumatischen Förderleitungen entsprechend der Anzahl der Dosiereinheiten Weichen verbaut, welche die Saatgut- Luftströme in die Wiegezelle leiten und nicht zur Säschiene. Die Wiegezelle befindet sich im Saatguttank und nimmt die einströmende Saatgutmenge auf, während die Transportluft abgeschieden wird. Sobald die Wiegezelle gefüllt ist, wird die Gesamtmasse der Saatgutkörner ermittelt. Aus den vorab im Terminal hinterlegten Werten von Tausendkorngewicht, Aussaatmenge und maximalen Arbeitsgeschwindigkeit wird die Soll-Masse der Saatgutmenge in der Wiegezelle berechnet. Weichen Soll- und Istwert voneinander ab, wird die Kalibrierung korrigiert. Das in der Wiegezelle enthaltene Saatgut wird nach der Messung in den Tank zurückgeführt. Laut Hersteller kann auch jede Teilbreite für sich kalibriert werden. Die DLG prämierte das vorgestellte System mit einer Silbermedaille. 01 Bedienoberfläche der John Deere TruSet Gerätesteuerung [John Deere] 02 Gleitkufe des Automatic CrossBoard Systems [Väderstad] Um Überlappungen z. B. am Vorgewende während der Aussaat mit pneumatischer Sätechnik zu vermeiden, hat die Firma Amazone ein System zur vollautomatischen Regelung der Schaltzeiten für pneumatische Sämaschinen inkl. eines Fahrerassistenzsystems entwickelt. Die Ermittlung der genauen Ein- und Ausschaltzeitpunkte ist von verschiedenen Parametern abhängig. Aufgrund der Förderstrecke zwischen Dosierer und Schar treten bei Schaltvorgängen des Dosierers Verzögerungen (1,4 – 5,0 s) auf. Die Abweichungen sind einerseits maschinenspezifisch und hängen andererseits insbesondere vom Saatgut ab. Wird exemplarisch von einer Aussaatgeschwindigkeit von 14 km/h ausgegangen, wird während des Schaltvorgangs eine Strecke von 5,4 bis 19,4 m zurückgelegt (Bild 3). Der Förder- 03 Automatische Ermittlung der Förderzeit (AutoPoint) [Amazone] Förderzeit: 1,4s bis 5,0s – Entspricht bei 14km/h 5,4m bis 19,4m Strecke Mobile Maschinen 1/2016 33